Dr. Ulrike Fessel-Denk

Begegnen Sie Ihrem Arzt mit Respekt

Gegenseitiger Respekt Patient - Arzt

Ärzte sind unsere Begleiter wenn wir krank sind.

Ärzte können uns in vielen Fällen heilen. In den anderen Fällen können Sie dafür sorgen, dass die Erkrankung nicht so schwer oder nicht so schmerzhaft verläuft wie ohne Behandlung. Ärzte können aber nicht verhindern, dass wir Menschen sterblich sind. Also sollte man nicht mit dieser Erwartungshaltung an sie herantreten.

Ärzte können Mitgefühl haben, dürfen aber nicht mit leiden, sonst werden sie durch den täglichen Umgang mit Leid selbst krank. Also müssen sie sich vom Patient abgrenzen, um sich selbst zu schützen. Die Abgrenzung dient auch dem Schutz des Patienten. So können die Diagnose und die Therapie objektiv erfolgen. Daher werden Angehörige von Ärzten sehr oft nicht von diesen selbst sondern von Kollegen behandelt.

Gleichzeitig ist es für die Arzt-Patienten Beziehung wichtig, dass der Arzt dem Patienten echte Anteilnahme übermittelt. Denn allein schon die gute Arzt-Patienten Beziehung ist ein großer Teil der Behandlung. Dieser Effekt wird häufig missachtet und nur im Bereich der Wirkung von Arzneimitteln verwendet und dort als „Placebo Effekt“ bezeichnet.

Das Gleichgewicht zwischen Anteilnahme und nötiger eigener Abgrenzung gelingt dem einzelnen Arzt besser oder schlechter. Als Ergebnis bietet sich dem Patient zuweilen ein so distanzierter Arzt, dass man das Gefühl bekommt, auf eine Nummer reduziert zu werden. Geben Sie nicht dem Arzt die Schuld sondern versuchen sie den Mensch hinter dem Arzt zu sehen. Dann lässt sich besser damit umgehen und adäquat darauf reagieren.

Daneben gibt es immer wieder unbedachtes Handeln auf Seite der Patienten. Verhalten Sie sich besser. Rufen Sie nicht nachts um drei beim Arzt an weil Sie schon seit drei Tagen leichte Halsschmerzen haben. Das ist respektlos. Gehen Sie am zweiten Tag tagsüber. Da ist Ihr Arzt ausgeruht. Das ist für beide Seiten die bessere Entscheidung.

Erwarten Sie von Ihrem Arzt, dass er Ihnen mit Respekt begegnet

Jeder erwachsene gesunde Mensch verfügt selbstständig über sein Leben. In dem Moment jedoch, wo er erkrankt und einen Arzt aufsucht, verändert sich der Grad seiner Selbstständigkeit. Der Mensch wird zum Patient. Dieses Wort stammt vom lateinischen „patiens“. Das bedeutet „geduldig, aushaltend, ertragend“. Damit ist einprägsam beschrieben, was Patient zu sein mit sich bringt. Das hat zur Folge, dass der Patient das Gefühl hat, dass er im Gegensatz seinem sonstigen Leben einen Teil seiner Selbstständigkeit und Eigenverantwortung eingebüßt hat.

Neben dieser Erwartungshaltung an den Patienten, er möge geduldig, ertragend und aushaltend sein, existiert jedoch der gesamte Mensch, der auf einmal zum Patienten wird. Ärzte sehen oft nur noch den Patienten oder schlimmer noch nur die Erkrankung (der Arm, die Hüfte, der Blinddarm) und vergessen den Rest. Das darf nicht geschehen. Denn das macht den Patienten hilflos und schwächt ihn in einer Phase seines Lebens, in der er seine gesamte Kraft braucht, um an seiner Heilung mitzuwirken.

Wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihr Arzt nicht mehr Sie als Person sondern nur als Krankheit xy sieht, sprechen Sie ihn darauf an. Sagen Sie ihm, dass sein Verhalten verletzend ist. Damit durchbrechen Sie das Muster, nach dem der Arzt verfährt und bringen ihn dazu, Sie als vollständige Person zu sehen. Damit helfen Sie sich, zu gesunden.

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